Was ist TRAUMASENSIBLES Arbeiten überhaupt?

Hierzu möchte ich drei Säulen beschreiben, die ich während meiner Ausbildung bei Verena König kennengelernt habe. Die Hauptpfeiler der traumasensiblen Begleitung sind:

Beziehung - Traumawissen - Körper

BEZIEHUNG:

Viele Menschen mit ‘Traumahintergrund’ sind enorm feinfühlig oder hochsensibel. Deshalb ist uns in der traumasensiblen Arbeit Klarheit und Transparenz sehr wichtig, da ‘Unstimmigkeiten’, die vielleicht klein erscheinen, dann sehr verunsichern können.

Es ist ungemein wichtig, dass sich die traumasensiblen Sitzungen in den Alltag der begleiteten Personen ausdehnen kann bzw. dorthin transferiert werden kann. Daher ist traumasensible Begleitung immer individuell und folgt keinem festen Schema. Es ist außerdem von großer Bedeutung, dass der sichere Raum der traumasensiblen Begleitung keine Parallelwelt oder Insel wird. Selbstverankerung, Integration und Selbstwirksamkeit sind zentrale Bestandteile des Prozesses. Die Begleitung soll einen sicheren Raum schaffen, in dem Beziehung und Unterstützung möglich sind, ohne die eigene innere und äußere Verankerung zu ersetzen. Vielmehr geht es darum, das Erlebte zunehmend ins eigene Leben mitzunehmen und die eigene Fähigkeit zu stärken, sich auch außerhalb des Begleitungsraums selbstwirksam zu bewegen.

TRAUMAWISSEN:

In der traumasensiblen Begleitung (die, wie schon oft erwähnt, keine Psychotherapie oder Traumatherapie ist) ist nicht nur das Wissen um neurobiologische Zusammenhänge und spezielle Symptome unerlässlich, sondern auch das Wissen um zwischenmenschliche Herausforderungen, Konfliktfelder und Problemfelder, die im Laufe eines Lebens entstehen können.

Aus der Traumapädagogik kennen wir das Prinzip des guten Grundes: Hier geht man davon aus, dass keine Verhaltensweisen eines Kindes ohne Grund entstehen, dass es folglich also keinen Sinn ergibt, am Verhalten allein zu arbeiten, sondern am ‘guten Grund’, der dieses Verhalten hervorruft. Das gilt auch für uns Erwachsene mit unseren ‘inneren Kindern’. Verhaltensmuster, Empfindungen und Symptome, die auf den ersten Blick womöglich unlogisch oder verstörend wirken, haben oft ihren Grund in belastenden und destabilisierenden Erlebnissen, die nicht verarbeitet werden konnten. Das Prinzip des guten Grundes im Auge zu behalten eröffnet uns Raum für eine Haltung, die grundlegend wohlwollend und verstehen-wollend ist, statt zu bewerten oder zu pathologisieren.

Erkennen, Verstehen, Einordnen —> Psychoedukation: Wenn unsere Klient*innen das Logische und Erklärbare in ihren Symptomen erkennen können, können sie beginnen sich besser zu verstehen und ihr Verhalten neu einzuordnen. Die sogenannte Psychoedukation beinhaltet also das, was ein Mensch an Wissen braucht, um Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen den Belastungen von damals und den Symptomen im Hier und Heute zu schöpfen. So kann unsere Welt mehr Struktur und Orientierung erhalten, was sehr entlastend sein kann.

Die traumasensible Begleitung bietet viele Möglichkeiten für korrigierende Erfahrungen. Wahrzunehmen, dass man gesehen wird, kann zum Beispiel eine korrigierend Erfahrung sein. Jede korrigierende Erfahrung bringt etwas mehr Zuversicht. Zuversicht ist zum Beispiel ein starkes Gegengewicht für Gefühle wie Ohnmacht und Ausgeliefertsein.

KÖRPER:

Traumasensibles Begleiten bedeutet, Menschen darin zu schulen, die Sprache ihres eigenen Nervensystems zu verstehen. Unsere Klient*innen lernen ihre vegetativen Zustände einzuordnen und in Folge auch selbst zu beeinflussen. Wenn wir unseren Klient*innen helfen, die Sprache ihres Nervensystems zu entschlüsseln, lernen sie, autonome Zustände zu erkennen und einzuordnen: Bin ich gerade übererregt? Bin ich gerade untererregt? Welche vegetativen Zustände liegen hinter meiner Kompensationsstrategie? So kann man Schritt für Schritt lernen, aus den unbewussten Automatismen des Nervensystems heraus zu heilen. Und hierbei spielt die Co-Regulation eine große Rolle. Denn in der traumasensiblen Begleitung geschieht viel Co-Regulation.

Wir unterstützen unsere Klient*innen dabei Selbstregulation zu entwickeln oder zu festigen - und das indem wir Co-Regulation anbieten und ihre Ressourcen stärken. Auch das Wissen über die biologischen Hintergründe und das Verstehen der Sprache des Nervensystems tragen zur Bildung von Selbstregulation bei. Und dann heißt es: üben, üben, üben…

‘Alles, was du fühlst, ergibt Sinn.’ - Verena König

König, V. (2024). NI Neurosystemische Integration® – Ausbildungsunterlagen. König Weiterbildungen GmbH.

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Why Setting Boundaries Is Not a One-Dimensional Practice

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What does TRAUMA-INFORMED mean?