Verstrickung in der sozialpädagogischen Arbeit

Sozialpädagogische Arbeit – besonders mit schwer traumatisierten Menschen – ist niemals nur „Arbeit“.

Sie ist Beziehung. Begegnung. Resonanzraum. Und sehr schnell auch: Verstrickung.

In meiner langjährigen Tätigkeit im sozialpädagogischen Bereich habe ich immer wieder erlebt, wie nah wir den Geschichten, dem Leid und den Überlebens-strategien unserer Klient*innen kommen.

Heute arbeite ich bei Sensitive Rebels mit ganzheitlich integrativer Traumaarbeit auf Basis der neurosystemischen Integration® nach Verena König. Dieses Wissen hat mir rückblickend viele meiner eigenen Erfahrungen erklärt und mir Worte gegeben für etwas, das ich früher oft gegen mich gerichtet und falsch eingeordnet habe:

Dass Verstrickung kein persönliches Versagen ist, sondern eine hochlogische Folge von Bindung, Trauma und Nervensystemdynamik.

Wenn fremdes Leid das eigene Nervensystem berührt

In der Arbeit mit traumatisierten Menschen passiert etwas sehr Wesentliches:

Wir werden mit unseren eigenen Schatten konfrontiert.

Mit unseren Schutzstrategien.

Mit unseren ganz persönlichen Überlebensmodi.

Es kann geschehen, dass wir beispielsweise innerlich zu viel Verantwortung übernehmen. Dass wir retten wollen, halten wollen, da sein wollen, über das professionelle Maß hinaus. Nicht aus mangelnder Kompetenz, sondern aus unbewusster Resonanz. Und möglichen Parentifizierungs-Anteilen.

Trauma erkennt Trauma.

Bindung erkennt Bindung.

Und alte, im Unterbewusstsein gespeicherte Themen - oft aus der eigenen Kindheit - melden sich, ohne dass wir sie bewusst eingeladen hätten.

Verstrickung ist kein Fehler – aber sie braucht Bewusstheit

Gerade im sozialpädagogischen Feld wird häufig erwartet übermäßig belastbar zu sein. Doch was selten offen benannt wird:

Diese Arbeit holt unweigerlich eigene Themen nach oben.

Bindungsthemen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Nähe, Abgrenzung, Loyalität, Ohnmacht, Verantwortung - all das wird im Kontakt aktiviert. Und wenn wir nicht gelernt haben, uns selbst gut zu beobachten und Integration stattfinden kann, geraten wir leicht in alte innere Muster.

Hier möchte ich etwas für mich Wesentliches festhalten, das mich bei der ein oder anderen Teamsitzung als Sozialpädagogin in Bredouille gebracht hat:

Wir Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, brauchen mehr als Fachwissen.

Wir brauchen Selbsterfahrung.

Die Bereitschaft, uns selbst ehrlich zu hinterfragen und ein differenziertes Denk-vermögen aufzubauen.

Den Mut, die eigenen inneren Dynamiken anzuschauen - als Voraussetzung für gesunde, tragfähige Arbeit.

Sensitive Rebels: Bewusstheit statt Selbstaufgabe

Die Arbeit bei Sensitive Rebels steht genau für diesen Ansatz:

Nicht funktionieren.

Nicht aushalten um jeden Preis.

Sondern verstehen, was im eigenen Nervensystem passiert.

Verstrickung entsteht dort, wo wir uns selbst verlieren, während wir für andere da sind. Integration entsteht dort, wo wir uns selbst mitnehmen in die Arbeit.

Für mich ist das der Kern einer wirklich traumasensiblen, ganzheitlichen sozialpädagogischen Haltung:

Mitgefühl ohne Selbstaufgabe.

Nähe ohne Verschmelzung.

Verbindung ohne Verstrickung.

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